Bio-Kontrolle Mengenbilanz, Rückverfolgbarkeit, Zertifikate, Kontrollmappe
Landwirtschaft WaWi

Bio-Kontrolle

Was ist das — und was ist es nicht?

Diese Seite legt nichts an. Sie liest, was in der Warenwirtschaft und in der Landwirtschaft ohnehin schon steht, und stellt es so zusammen, wie es die Kontrollstelle nach VO (EU) 2018/848 sehen will. Ein zweiter Datenbestand wäre der eine Fehler, den man hier nicht machen darf — dann gibt es zwei Wahrheiten, und die Kontrolle findet die Abweichung, nicht du.

Lücken werden nicht versteckt. Was fehlt, steht ausdrücklich in der Mappe: Flächen ohne Kultur, ungeprüfte Betriebsmittel, Lieferanten ohne gültiges Zertifikat, Artikel ohne Bio-Angabe. Die Kontrolle findet das ohnehin — es selbst zu wissen ist der ganze Vorteil.

Eigenes Bio-Zertifikat

Die Bescheinigung des eigenen Betriebs — nicht die der Lieferanten (die stehen in der WaWi). Historie statt Überschreiben: ein neues Zertifikat kommt dazu, das alte bleibt als Nachweis stehen. Die Codenummer (AT-BIO-xxx) wird von hier auf Etiketten und Rechnungen übernommen.

Was fehlt noch? (vor der Kontrolle ansehen)

Lebensmittel einordnen (damit „bio ja/nein" überhaupt eine Frage ist)

Von den rund 27.000 Artikeln sind über 10.000 keine Lebensmittel — Schuhe, Bekleidung, Spielzeug, Taschen. Bei einem Strohhut ist „bio ja/nein" keine fehlende Angabe; die Frage stellt sich dort nicht. Darum wird je Warengruppe einmal gesagt, ob es Lebensmittel sind. Neue Artikel erben das dann von selbst.

Erst danach ist die Zahl „Lebensmittel ohne Bio-Angabe" aussagekräftig — und erst dann rechnet die Mengenbilanz auf Bio-Ebene. Vorgeschlagen wird hier etwas, gesetzt wird von dir: eine falsche Einordnung lässt Lebensmittel lautlos aus der Bio-Bilanz verschwinden.

Mengenbilanz (es darf nicht mehr raus als rein)

Anfangsbestand + Zukauf + Ernte + Produktion gegen Verkauf, Rechnung, Kisterl und sonstigen Abgang. Eine Lücke heißt: diese Menge ist hinausgegangen, ohne dass sie hereinkam oder vorher dalag — sie hat keine Herkunft. Das ist die Zahl, die die Kontrolle zuerst ansieht.

ArtikelBioAnfangZukauf ErnteProduktionVerkauf Rechnung Kisterl AbgangLücke

Rückverfolgbarkeit (eine Stufe zurück, eine vor)

Der Faden ist die Charge. Losnummer eingeben — oder leer lassen, dann kommen die letzten Chargen.

Warum endet die Verfolgung am Regal?

Der Kassenbon und der Lieferschein führen heute keine Chargennummer. Nach vorne sieht man deshalb, welche Charge ins Lager und in welche Verarbeitung ging — aber nicht, an welchem Bon sie hinausging. Für den Verkauf an Endverbraucher verlangt die Verordnung das auch nicht (dort endet die Kette). Für eine Lieferung an einen gewerblichen Kunden wäre es nötig — das ist ein offener Punkt und steht als solcher in der Übergabe.

Bio und konventionell getrennt? (Lager)

Ein Lagerort kann als Bio, konventionell oder gemischt gekennzeichnet werden. Hier steht, wo etwas liegt, das dort nicht liegen sollte. Gemischt ist erlaubt, wenn die Trennung räumlich gesichert ist — die Verordnung verlangt Trennung, nicht getrennte Räume.

Aufbewahrung

Lebensmittelkontrolle (HACCP)

Was steckt hier drin — und was bewusst nicht?

Das gesetzliche Pflichtmaß nach VO (EG) 852/2004 und LMSVG: Hygieneschulung (mindestens jährlich), Schädlingsmonitoring (mindestens alle drei Monate, jede Kontrolle wird eingetragen — auch die unauffällige, weil das eingehaltene Intervall selbst der Nachweis ist).

Bei Wareneingang und Kühlgeräten gilt das Ausnahmeprinzip: eingetragen wird nur, wenn tatsächlich etwas vom Sollzustand abweicht — nicht jede unauffällige Kontrolle. Das ist bei funktionierenden Geräten mit Anzeige eine für einen Kleinbetrieb zulässige Vereinfachung; die routinemäßige Kontrolle selbst (ansehen, ob die Anzeige passt) findet weiter statt, sie erzeugt nur keinen eigenen Datensatz. Kein tägliches Temperaturprotokoll — genau das wäre das Gegenteil dessen, was gebraucht wird.

Der Reinigungsplan ist der Plan selbst (Bereich, Tätigkeit, Intervall, Mittel), zum Ausdrucken — kein tägliches Abhaken. Die Trinkwasserkontrolle ist nur bei eigener Wasserversorgung (Brunnen) Pflicht und darum abschaltbar; am Gemeindenetz bleibt sie einfach aus.

Hygieneschulung (mindestens jährlich, neue Mitarbeiter vor Arbeitsantritt)

Name als Freitext — der Mitarbeiterstamm liegt in der Team-App, nicht hier. Diese Liste ist der Schulungsnachweis, den die Kontrolle sehen will.

Schädlingsmonitoring (mindestens alle drei Monate, je Station)

Jede Kontrolle wird eingetragen, auch die unauffällige — der Nachweis ist das eingehaltene Intervall.

Wareneingang — Abweichung (Ausnahmeprinzip: nur bei Problemen)

Nicht jede Lieferung wird eingetragen — nur wenn bei der Annahme etwas nicht passt (z. B. Kühlware zu warm, Verpackung beschädigt, MHD zu knapp).

HACCP-Konzept (das schriftliche Dokument)

Gesetzlich nicht als eigenes Dokument vorgeschrieben — aber ohne irgendein schriftliches Konzept gilt die Eigenkontrolle bei einer Kontrolle als nicht umgesetzt. Historie statt Überschreiben: eine neue Fassung kommt dazu, die alte bleibt als Nachweis stehen, welche Fassung zu welchem Zeitpunkt galt.

Reinigungsplan (individuell, druckbar)

Der Plan selbst — Teil des HACCP-Konzepts. Kein tägliches Abhaken nötig, das wäre wieder zu viel des Guten.

Trinkwasserkontrolle (nur bei eigener Versorgung)

Kühlgeräte — Abweichung (Ausnahmeprinzip: nur außerhalb des Sollbereichs)

Geräte einmal anlegen, danach nur eintragen, wenn eine Kontrolle einen Wert außerhalb des Sollbereichs zeigt.